Wandern am Alpenhauptkamm: Der Stubaier Höhenweg

Wandern am Alpenhauptkamm: Der Stubaier Höhenweg

26. Januar 2019 Aus Von Apollonia

Ich habe das Privileg, sehr nah an den Alpen zu wohnen. Aus dem Münchner Umkreis kommend, kann ich mal schnell für eine Bergtour nach Österreich fahren, oder für was Kleineres an die bayrischen Voralpen. So könnte ich zum Beispiel auch die Gipfel im Stubaital einzeln besteigen, an einem schönen Tag am Wochenende: eine gute Stunde hinfahren, rauf, runter, wieder heim. Oft mache ich das. Der Vorteil ist, dass man das Wetter gut einschätzen kann, keinen Urlaub braucht und wenig Gepäck mitschleppt. Aber manchmal packt es mich, dann brauche ich einfach mal ein paar Tage am Stück die Berge, die Erholung und dieses „einfach nur laufen müssen“-Gefühl. Und eines schönen Sommers (im August 2016 war das) beschloss ich, den Stubaier Höhenweg zu erkunden, denn ich hatte schon vorher viel davon gehört, und das allermeiste davon waren Schwärmereien. Zurecht wie ich dann selbst herausgefunden habe!

Der Stubaier Höhenweg eignet sich perfekt für eine Woche Urlaub, vorausgesetzt man wohnt in der Nähe der Alpen. Ihn komplett zu erwandern dauert 7 Tage + Auf- und Abstieg, er ist aber durch die verschiedensten Gipfelmöglichkeiten ganz leicht erweiterbar, sowie durch gute Busverbindungen innerhalb des Tals überall abzukürzen oder abzubrechen. Ich beschreibe euch hier den Normalweg, also den Weg von Hütte zu Hütte, mit seinen Varianten, und dazu Gipfelmöglichkeiten, die ohne Gletscherkontakt zu machen sind. Wer mehr Zeit mitbringt als eine Woche, der sollte sich überlegen ob er nicht mal auf einer Hütte doppelt nächtigt und den Tag für eine größere Tagestour nutzt.

WIE ANSPRUCHSVOLL IST DER STUBAIER HÖHENWEG?

Insgesamt solltest Du Kondition für 9 Wandertage mitbringen, dabei sind täglich ca. 4-7 Stunden Gehzeit von Hütte zu Hütte zu bewältigen, mit Höhenunterschieden von 400 bis 1200hm und Strecken von 4 – 15km. Zusammengerechnet ergibt das in etwa 8000hm auf 100km.

Da auf Hütten übernachtet wird, brauchst Du nicht viel Gepäck, was der Kondition auf jeden Fall zu Gute kommt. Für die Gipfelbesteigungen kann man dann sogar noch einiges auf den Hütten deponieren. Außerdem kann man den Höhenweg wie gesagt an jeder Hütte bequem abbrechen.

Trotzdem: der Stubaier Höhenweg ist kein Spazierweg. Dass hier Leute abstürzen passiert leider viel zu häufig. Als ich dort war, habe ich auf einer Alm sogar einen Innsbrucker Studenten getroffen, der seine Abschlussarbeit über den Stubaier Höhenweg geschrieben hat. Er wollte herausfinden, warum hier so viele Wanderer verunfallen, und hat zu diesem Zweck unter anderem eine Befragung zur Bergerfahrung durchgeführt, sowie sich das Profil der Bergschuhe seiner Probanden angesehen. Bitte unterschätze die Tour also nicht. Wie immer in alpinem Gelände, sollte man schon ein wenig Erfahrung mitbringen, und Vorsicht walten lassen. Gute Wanderschuhe und entsprechende Ausrüstung sind Pflicht!

Des Weiteren solltest Du trittsicher und schwindelfrei sein. Nicht nur für die Gipfelbesteigungen, auch auf den Etappen musst du zum Teil ausgesetzte Stellen bewältigen, bei denen Du auch mal ein wenig kraxeln musst. Ansonsten ist der Stubaier Höhenweg für geübte Bergsteiger nicht sehr schwierig, und gut markiert, die Orientierung fällt dadurch nicht schwer.

DIE BESTE REISEZEIT

Wetter, Infrastruktur, Andrang

Der Stubaier Höhenweg kann begangen werden sobald der Schnee im Frühjahr geschmolzen ist, im Herbst bis der erste Schnee die Wege zu rutschig und gefährlich macht. Vorsicht – im Herbst schließen die Hütten zum Teil früher als es das Wetter erzwingen würde, das heißt obwohl der Oktober oft noch richtig schön ist, kann man den Höhenweg dann nicht mehr gehen. Die Busse fahren ab 1.10. mit abgespecktem Winterfahrplan.

Die besten Monate für den Stubaier Höhenweg sind Juli, August und September. Im September ist das Wetter erfahrungsgemäß stabiler als im Hochsommer (sprich weniger Gewitter), und es werden wahrscheinlich weniger Leute unterwegs sein, dafür ist es im Hochsommer natürlich wärmer und abends länger hell.

 

WIE KOMME ICH HIN UND WIEDER WEG?

Der Stubaier Höhenweg beginnt und endet in Neustift im Stubaital. Wer mit dem Auto kommt kann am Parkplatz an der Bergbahn parken, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreicht man Neustift am besten aus Innsbruck mit dem Stubaitalbus (Linie 590). Alle Hütten haben einen direkten Zustieg vom Tal aus, den man auch gut mit besagtem Bus erreichen kann. Das bedeutet im Umkehrschluss, wenn man abbrechen muss (so wie ich wetterbedingt an der Nürnberger Hütte), kann man einfach absteigen und mit dem Bus zum Auto oder gleich nach Innsbruck zurückfahren. Um auf Nummer Sicher zu gehen, fragt man nochmal kurz beim Hüttenwirt nach, wann die Busse im Talort fahren.

WO KANN ICH ÜBERNACHTEN?

Übernachtet wird am Stubaier Höhenweg auf Berghütten des Alpenvereins (hier lohnt es sich dem Deutschen Alpenverein beizutreten, dann sind die Übernachtungen billiger). In der Hauptsaison ist es ratsam, die Hütten im Vorhinein zu reservieren – die Hüttenwirte dürfen einen zwar nicht abweisen, wenn sie keinen Platz mehr haben, aber ein Bett bekommt man dann natürlich auch nicht mehr. Das heißt man schläft irgendwo im Gang auf dem Boden. Deshalb reservieren, aber auch unbedingt wieder absagen, wenn man, zum Beispiel aufgrund des Wetters, doch nicht kommt!

Die Hütten sind mittlerweile fast schon luxuriös: Die meisten haben Duschen, es gibt wirklich gutes (wenn auch nicht gerade billiges) Essen, und die großen Schlafsäle/ Lager weichen zunehmend den kleineren Zimmern.

 

DIE ETAPPEN UND GIPFELMÖGLICHKEITEN

Auf der Seite des Tourismusverbandes Stubaital kann man eine sehr gute Beschreibung der einzelnen Etappen finden. Ich möchte hier nur einen kurzen Überblick geben, und zusätzlich beschreiben, welche Gipfel von den einzelnen Hütten aus leicht bestiegen werden können. Denn das macht den Stubaier Höhenweg für mich auch ein wenig aus: dass man so nah an vielen wunderschönen hohen Bergen vorbei kommt, und diese am Abend noch kurz hinauflaufen kann. Wie schon beschrieben lohnt es sich durchaus auch, auf der ein oder anderen Hütte doppelt zu übernachten, um mehr Zeit für die Gipfel zu bekommen. Die angegebenen Zeiten für die Gipfel beziehen sich nur auf den Aufstieg. Es empfiehlt sich vor jeder Gipfelbesteigung noch einmal den Hüttenwirt nach den aktuellen Bedingungen zu fragen, und den Wetterbericht im Blick zu behalten!

Aufstieg zur Starkenburger Hütte: 3,5-4h (1200m ↑)
Gipfelmöglichkeit: Hoher Burgstall (2611m, 1h)
Gamskogel (2659m, 2h), Schlicker Seespitze (2804m), und Hohe Schöne (2675m) kann man am nächsten Tag auf dem Weg zur Franz-Senn-Hütte mitnehmen.

Von der Starkenburger Hütte zur Franz-Senn-Hütte: 7h (440m↑, 530m ↓, 15km)
Die Franz-Senn-Hütte ist eine prima Ausgangsstelle für ganz viele Touren. Allerdings brauchen alle davon mehr als man als Normalperson vom Tag übrig hat nach den 7h Wandern plus evtl. Umweg über die in erstens genannten Gipfel. Beispiele für Gipfel ohne Gletscherkontakt sind der Schrankogel (3496m, 6h) oder die Rinnenspitze (3003m, 3h).

Von der Franz-Senn-Hütte zur Neuen Regensburger Hütte: 4h (650hm ↑, 500 hm ↓, 8 km)
Gipfelmöglichkeiten an der neuen Regensburger Hütte: Vordere Plattenspitze (2937m, 2h) und Östliche Knotenspitze (3080m, 2,5h).

Von der Neuen Regensburger Hütte zur Dresdner Hütte: 7h (900hm↑, 850hm ↓, 12 km)
Die Dresdner Hütte liegt leider im Stubaier Skigebiet – alles andere als idyllisch. Als Abendgipfel, oder kleiner Umweg am Ende des Tages lohnt sich der Egesengipfel (2635m, 45min). Andere Gipfelmöglichkeiten sind zum Beispiel die Schaufelspitze (3333m, 4h) oder die Stubaier Wildspitze (3341m, 5h).

Von der Dresdner Hütte zur Sulzenau Hütte: 3h (400 hm ↑, 500 hm ↓, 4 km)
Auf dieser Strecke sollte man unbedingt den großen Trögler (2902m) mitnehmen (30min Umweg) und hat dann trotzdem noch Zeit für den Aperen Freiger (3262m, 3,5h).

Von der Sulzenau Hütte zur Nürnberger Hütte: 4h (650 hm ↑, 550 hm ↓, 5 km)
Der Weg über die Mairspitze (2775m) ist wunderschön. Von der Nürnberger Hütte aus hat man dann die Möglichkeit zum Beispiel die Rotgratspitze zu besteigen (3099m, 2h).

Von der Nürnberger Hütte zur Bremer Hütte: 4h (600 hm ↑, 450 hm ↓, 5 km)
Die Bremer Hütte ist ein guter Ausgangspunkt für die Innere Wetterspitze (3050m, 2,5h) sowie die äußere Wetterspitze (3070m, 3,5h).

Von der Bremer Hütte zur Innsbrucker Hütte: 7h (800 hm ↑, 850 Hm ↓, 9,5 km)
Als kleine Abendtour empfiehlt sich die Kalkwand (2564m, 45min). Bevor man am nächsten Tag ins Tal absteigt lohnt sich noch die Besteigung des Habicht (3277m, 3h von der Hütte aus).

Abstieg ins Tal: 2,5h

DIE RICHTIGE AUSRÜSTUNG

Auf DAV-Hütten brauchst Du einen Hüttenschlafsack. Meist ist es auf den Hütten abends eher warm, aber wer sehr verfroren ist braucht natürlich trotzdem warme Klamotten für den gemütlichen Hüttenabend. Wichtig sind dabei auch gute Hüttenschuhe, die die Füße warm halten. Fast immer gibt es auch Hüttenschuhe zum ausleihen, diese haben aber meistens schon bessere Zeiten gesehen… Für Tagsüber brauchst Du – wie auf jeder Tour – warme Klamotten, Regensachen, erste Hilfe Päckchen, Stirnlampe und Biwaksack. Außerdem gute Wanderschuhe und ausreichend Brotzeit und Getränke.
Auch wenn die Orientierung durch gute Markierungen und Wegweiser eher leicht fällt, brauchst Du unbedingt eine
Karte (z.B. KOMPASS Wanderkarte Stubaier Alpen).

WEITERFÜHRENDE INFORMATIONEN UND LINKS

Website des Tourismusverbandes für weitere Informationen, Flyer und Busfahrplänen

https://www.stubai.at/stubaier-hoehenweg/info-service/

Websites der Hütten

Starkenburger Hütte
Franz Senn Hütte
Regensburger Hütte
Dresdner Hütte
Sulzenau Hütte
Nürnberger Hütte
Bremer Hütte
Innsbrucker Hütte