Wanderparadies Azoren: Meine Tipps für São Miguel

Wanderparadies Azoren: Meine Tipps für São Miguel

30. Oktober 2019 1 Von Apollonia

Dieser Artikel enthält unbezahlte Werbung in Form von Markennennungen.

Wer schon mal mit der Idee gespielt hat, die Azoren zu bereisen, der hat bestimmt davon gehört, dass es ein Wanderparadies sondersgleichen sein soll. Ich habe die Inselgruppe im Atlantik im Mai 2018 bereist, und möchte hier meine Erfahrungen weiter geben.

Azoren – allgemeine Hinweise

Gleich vorneweg – Mai ist eine super Reisezeit, da die Saison erst im Juni wirklich beginnt, und somit weniger Leute unterwegs sind, aber das Wetter schon ziemlich gut ist. Ich würde auf jeden Fall wieder im Mai fahren. Wir waren drei Wochen unterwegs, wollten eigentlich nur auf drei Inseln bleiben, und haben dann spontan – weil uns ein Einheimischer auf São Miguel den Tipp gegeben hat – die Zeit auf Faial verkürzt und sind dafür noch nach São Jorge übergesetzt. Das war eine super Entscheidung, denn Faial ist wirklich klein…

Wir waren ziemlich spontan unterwegs, was im Mai auch absolut möglich ist, und zu keiner Zeit zu Schwierigkeiten mit Unterkünften oder Fährentickets geführt hat. Hinflug und Rückflug waren gebucht (Hinflug nach São Miguel, Rückflug von Pico), den Rest haben wir vor Ort entschieden und gebucht. Das einzig schlechte an dieser Herangehensweise war, dass wir womöglich ein kleines bisschen mehr für die Mietwägen gezahlt haben, als wenn wir sie gleich für die komplette Zeit bei einem Anbieter gebucht hätten (z.B. bei Ilha Verde – was der Anbieter für Mietwägen auf den Azoren zu sein scheint). Ansonsten zahlt sich Flexibilität vor Ort ja meist aus.

Das Wetter im Mai war gut, wir hatten durchgehend T-Shirt-Wetter, zum Baden nur einladend in ganz windstillen Buchten oder heißen Quellen. Zum Wandern und Sightseeing absolut perfekt würde ich sagen. Die Azoren gehören ja zu Portugal, haben aber ein anderes Klima: regenreicher, abwechslungsreicher (Aprilwetter könnte man sagen) und milder. Also Regen ist zu erwarten, aber selten den ganzen Tag. Damit kann man arbeiten oder?

Die Azoren haben wunderschöne Natur, tolle Küsten, Vulkanismus und ganz generell auf wenig Platz vieles was man wo anders auch fände – nur eben nicht in Europa und auch vielleicht nicht so nah zusammen. Wo findet man schon einen Ort an dem es heiße Quellen gibt, Vulkankrater und Vulkanhöhlen, außerdem Delfine und Wale, Tee- und Ananasplantagen, Regenwald und grüne Wiesen auf denen Kühe grasen?

Die Wanderungen auf den Azoren sind allesamt eher kurz und gleichen manchmal mehr Spaziergängen als Wanderungen. Ich hatte zum Teil das Gefühl, auf den Azoren wurde zu wenig für wirkliche Wandertouristen gemacht und gleichzeitig zu viel für Autofahrer. Mein etwas alter Reiseführer hat mich nämlich immer mal wieder auf „wunderschöne Wanderungen“ geschickt, die sich dann als breite Lehm- oder sogar Teerstraße entpuppt haben. Sicherlich waren das zur Entstehungszeit des Reiseführers noch kleine Wege. Sehr schade, und ich hoffe es geht nicht in dieser Richtung weiter.

Aber sind die Azoren denn nun solch ein Wanderparadies? Ich würde sagen, das kommt darauf an, was man erwartet. Erwartet man hohe Berge, viele einsame Gipfel, Berghütten und schmale, einsame Pfade, dann ist die Antwort definitiv nein, denn das gibt es auf den Azoren so nicht. Betrachtet man aber das Klima und die Vegetation, sucht eher Spazierwanderungen und weniger die Einsamkeit von Berggipfeln als viel mehr ungewöhnliche Natur die mit geringem Aufwand erreichbar ist, dann ist man auf den Azoren richtig. Hier kann man kleinere Wanderungen mit anderen interessanten Aktivitäten, wie Whale Watching oder den Besuch einer Lava-Höhle verbinden, und somit einen schönen sogenannten „Aktivurlaub“ verbringen. Auf São Miguel waren wir zum Beispiel an vier Abenden hintereinander an den heißen Quellen von Ferraia (Termas da Ferraia), die mit Abstand die allercoolsten heißen Quellen sind, die ich je besucht habe. Sie sind in einem natürlichen kleinen Becken im Meer, das somit von hinten mit heißem Wasser gespeist und von vorne mit kalten Wellen versorgt wird – man kann man sich also erstens den Wärmegrad aussuchen der einem am besten taugt, und zweitens kommt mit jeder Welle von vorne kühles Wasser und wenn die Welle wieder weg geht überschwemmt einen von hinten das warme Wasser. So toll! Das aber nur am Rande, denn eigentlich gehts ja hier um Wanderungen.

Ausrüstung für Wanderungen auf den Azoren:

Das Wetter ist wechselhaft, deshalb empfiehlt sich das Zwiebelprinzip. Auf jeden Fall dabei sein sollte Regenausrüstung – hier am besten eine Regenjacke, einen Regenrock und eine Rucksackhülle mitnehmen. Die Schuhe betreffend: uns haben Turnschuhe ausgereicht, bzw. ich trage ja hauptsächlich meine Barfußschuhe. Diese waren (für mich) für alle Wanderungen geeignet, wenn man auch damit rechnen muss, dass es den Schuhen nicht gut tut, wenn man damit durch Vulkangestein läuft. Das ist einfach zu rau. Für den Pico Alto waren wir uns kurz unsicher ob Turnschuhe reichen, weil es doch eine richtige Bergtour ist, aber ich persönlich habe keine Bergschuhe gebraucht. Wer leicht umknickt, nicht ganz so trittsicher ist, oder die Tour vorraussichtlich sehr anstrengend empfindet, dem empfehle ich sie aber dringend.

São Miguel – Wanderungen

Wanderung auf den Miradouro Pico do Ferro

Man kann zu dieser Aussichtsplatform leider auch mit dem Auto fahren, aber ich fand den kleinen Rundwanderweg viel schöner, auch wenn er ein kleines Stück auf der Straße verläuft. Startpunkt ist die Stadt Furnas, von der aus man dem Camino da Sanguinhal folgt, ein kleines Stück auf der ER1-1A läuft, und dann am See entlang zu den heißen Quellen des Lago Furnas. Wenn man genug gesehen hat, geht man wieder ein Stück zurück und biegt dann links ab den Berg hinauf Richtung Miradouro Pico do Ferro. Auf dem relativ steil bergauf führenden Weg hält man sich immer links, bis man oben an der Aussichtsplatform ankommt. Auf dem Rückweg kann man einen anderen Weg nehmen, der einen schneller zurück nach Furnas bringt. Auch in Furnas lohnt sich übrigens ein Bad in den heißen Quellen.

[ca. 2,5h, 6km, 330hm]

Hinunter zum Lago do Fogo

Die Wanderung hinunter zum Lago do Fogo ist zwar definitiv kein Geheimtipp, aber es lohnt sich trotzdem sehr. Man folgt der EN5-2A bis man den See schon sieht, und parkt dann am Miradouro sobre a Lagoa do Fogo. Von dort lohnt es sich für die Aussicht, nicht gleich zum See hinunter zu laufen, sondern zuerst nach Osten am Hang entlang und später nach unten zu steigen (der Weg ist dann allerdings etwas schlechter und zugewachsener). Am Lago do Fogo unten angekommen sollte man sich dann auch Zeit nehmen um an der Küste entlang zu gehen und eine schöne Pause zu machen. Baden ist allerdings leider verboten.

[ca. 2h, 6km, 250hm]

Zum Wasserfall Cascata da Praia da Viola

Man läuft bei dieser einfachen aber schönen Wanderung immer an der Küste entlang, kommt dabei an alten Wassermühlen vorbei und steigt ganz zum Schluss zum Strand ab. Am Strand kann man dann noch ein wenig spazieren, oder einfach verweilen, bevor man den selben Weg wieder zurück geht. Der Startpunkt ist im nordöstlichen Teil von Maia. nahe des Strandes Calhau da Areia. Man könnte den Weg um einen Kilometer abkürzen, indem man bei einer Kurve an der Straße östlich von Maia parkt (siehe Karte).

[ca. 2h, 5km, 120hm]

Wanderungen bei Sete Cidades

Zu den Aussichtspunkten bei Sete Cidades kann man eigentlich so gut wie überall mit dem Auto hinfahren. Man kann allerdings trotzdem ein paar kleine Spazierwanderungen dort machen, was sich wirklich anbietet. Schön ist es zum Beispiel rund um die Lagoa das Eguas und Lagoa Rasa [ca. 1h, 4km, 100hm] und vom selben Parkplatz an der ER8-1A (Koordinaten: 37.835018,-25.758602) in die andere Richtung zum Miradouro da Boca do Inferno, dem berühmtesten aller Aussichtspunkte auf den Azoren [ca.50min, 2,5km, 100hm].

Zum Wasserfall Salto do Prego

Dieser kurze Rundweg beginnt in Faial da Terra, am nördlichsten Punkt der Stadt (einfach dem Bach nach oben folgen bis zum Parkplatz). Er ist gut beschildert, dauert ca. 1,5h wenn man am Rückweg die Schleife über Sanguinho geht.

[ca. 1,5h, 4km, 200hm]

Das waren sie schon, meine Top Tipps für Wanderungen auf São Miguel. Es folgt bald noch ein zweiter Artikel zum Thema Wanderungen auf den Azoren, dann mit Infos zu Faial, São Jorge und Pico. Bis dahin, Danke für’s Lesen!